Wie erkennt man eine Fake-Website?

Fakeshops sehen heute aus wie echte Shops. Professionelles Design, bekannte Markenprodukte, saubere Produktbilder. Auf den ersten Blick ist kein Unterschied zu erkennen. Genau das macht sie gefährlich.

Allein in Deutschland gehen jedes Jahr Millionenbeträge an betrügerische Online-Shops verloren. Das Geld ist meistens weg. Die Ware kommt nie an. Oder es wird billige Fälschung geliefert.

Die gute Nachricht: Die meisten Fakeshops lassen sich erkennen, wenn du weißt, worauf du achten musst.

Die URL genau anschauen

Das Erste, was du prüfen solltest, ist die Internetadresse. Fakeshops imitieren oft bekannte Marken, aber die URL verrät sie. Typische Tricks: Ein Buchstabe wird durch eine Zahl ersetzt (amaz0n statt amazon), es wird ein Bindestrich eingefügt (nike-shop-outlet.com) oder eine ungewöhnliche Endung verwendet (.top, .xyz, .shop statt .de oder .com).

Auch wenn die Domain auf den ersten Blick normal aussieht, lohnt sich ein zweiter Blick. Steht da wirklich zalando.de oder vielleicht zalando-sale.de? Kleine Abweichungen reichen aus, um eine komplett andere Website zu laden.

Zu günstig ist ein Warnsignal

Ein Marken-Fernseher für die Hälfte des üblichen Preises. Designerschuhe 70% reduziert. Wenn ein Angebot deutlich günstiger ist als überall sonst, solltest du skeptisch werden.

Fakeshops nutzen genau das: Sie locken mit Preisen, die zu gut sind, um wahr zu sein. Oft kombiniert mit einem Countdown oder Hinweisen wie „nur noch 2 Stück verfügbar“. Das soll dich unter Druck setzen, schnell zu kaufen, ohne nachzudenken.

Vergleiche den Preis mit bekannten Shops. Wenn der Unterschied auffällig groß ist, hat das meistens einen Grund.

Welche Zahlungsmethoden werden angeboten?

Seriöse Shops bieten mehrere Zahlungsarten an: PayPal, Kreditkarte, Klarna, Rechnung, Lastschrift. Wenn du nur per Vorkasse oder Banküberweisung bezahlen kannst, ist das eines der deutlichsten Warnsignale.

Der Grund: Bei einer Überweisung ist dein Geld sofort weg. Du hast praktisch keine Möglichkeit, es zurückzuholen. Bei Kreditkarte oder PayPal kannst du den Betrag zurückfordern.

Manche Fakeshops zeigen zwar Logos von PayPal oder Kreditkarten auf ihrer Seite, bieten beim Bezahlen dann aber nur Vorkasse an. Achte also nicht auf die Logos, sondern auf das, was beim Checkout tatsächlich passiert.

Impressum prüfen

In Deutschland ist ein Impressum gesetzlich vorgeschrieben. Jede Website, die nicht rein privat ist, muss eins haben. Darin müssen stehen: der vollständige Name des Betreibers, eine Postanschrift (kein Postfach), eine E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer oder ein vergleichbar schneller Kontaktweg.

Fehlt das Impressum komplett, kannst du die Seite sofort vergessen.

Aber auch wenn eins vorhanden ist, lohnt sich ein genauer Blick. Gib die Adresse bei Google Maps ein. Steht dort ein Bürogebäude oder ein Wohnhaus mitten im Nirgendwo? Suche den Firmennamen bei Google. Wenn außer der eigenen Website nichts auftaucht, ist das verdächtig.

AGB und Widerrufsbelehrung

Online-Shops in der EU sind gesetzlich verpflichtet, AGB und eine Widerrufsbelehrung bereitzustellen. Die Widerrufsbelehrung gibt dir das Recht, Waren innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung zurückzusenden. Das ist keine freiwillige Serviceleistung, das ist Pflicht.

Fehlen AGB und Widerrufsbelehrung komplett, ist das ein klares Warnsignal. Sind sie vorhanden, aber lesen sich wie eine schlechte Übersetzung oder passen inhaltlich nicht zum Shop (zum Beispiel ein deutscher Shop mit einer Widerrufsbelehrung, die britisches Recht zitiert), solltest du ebenfalls vorsichtig sein.

Gleiches gilt für die Datenschutzerklärung. Auch die ist Pflicht nach der DSGVO. Fehlt sie, nimmt es der Betreiber entweder nicht ernst oder es gibt keinen echten Betreiber.

Gütesiegel genau prüfen

Trusted Shops, EHI, TÜV: Gütesiegel schaffen Vertrauen. Genau deshalb kopieren Fakeshops diese Logos und setzen sie einfach als Bild auf ihre Seite.

So prüfst du, ob ein Siegel echt ist: Klicke darauf. Ein echtes Siegel führt dich zur Website des Anbieters, wo du die Zertifizierung bestätigen kannst. Wenn nichts passiert oder du auf eine fremde Seite weitergeleitet wirst, ist das Siegel gefälscht.

Bei Trusted Shops kannst du auch direkt auf deren Website den Shop suchen. Taucht er dort nicht auf, ist das Siegel auf der Seite nur ein Bild.

Auf die Sprache achten

Viele Fakeshops werden aus dem Ausland betrieben. Die Texte sind oft maschinell übersetzt und fallen durch merkwürdige Formulierungen auf. Sätze, die grammatisch nicht stimmen. Wörter, die im Kontext keinen Sinn ergeben. Produktbeschreibungen, die sich anfühlen wie durch einen Übersetzer gejagt.

Das gilt nicht nur für Produkttexte, sondern auch für AGB, Datenschutzerklärungen und den Bestellprozess. Wenn sich die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ eines angeblich deutschen Shops lesen, als wären sie auf Englisch geschrieben und dann übersetzt worden, ist Vorsicht geboten.

Bewertungen richtig einordnen

Bewertungen können hilfreich sein, aber auch irreführend. Fakeshops haben entweder gar keine Bewertungen oder ausschließlich positive. Wenn ein Shop nur Fünf-Sterne-Bewertungen hat und alle ähnlich klingen, solltest du misstrauisch werden.

Prüfe Bewertungen auf Plattformen wie Trustpilot oder Google. Aber achte auf das Datum und den Inhalt. Viele ähnlich klingende Bewertungen innerhalb weniger Tage sind ein Warnsignal. Genauso wie Bewertungen, die keine konkreten Details zum Kauf enthalten.

Wenn du außerhalb des Shops gar keine Spuren findest (keine Bewertungen, keine Social-Media-Präsenz, keine Erwähnungen), ist das oft aussagekräftiger als alles andere.

Technische Warnsignale

Manche Hinweise auf unseriöse Websites sind technischer Natur und nicht sofort sichtbar. Dazu gehören: fehlende HTTPS-Verschlüsselung, fehlende Sicherheits-Header oder verdächtiger Code im Hintergrund der Seite.

Es gibt verschiedene kostenlose Tools im Netz, mit denen du Websites technisch prüfen kannst. Manche schauen sich nur die Ladezeit an, andere bewerten SEO-Faktoren oder Sicherheitsmerkmale. Wir haben mit unserem Website & SEO Check ein eigenes kostenloses Tool gebaut, das unter anderem HTTPS, Impressum, Datenschutzerklärung und verdächtige Scripts prüft. Aber egal welches Tool du nutzt: Es ersetzt nicht den gesunden Menschenverstand. Technik kann Hinweise geben, die endgültige Einschätzung musst du selbst treffen.

Was tun, wenn du auf einen Fakeshop hereingefallen bist?

Wenn du bereits bezahlt hast, handle schnell.

Kontaktiere sofort deine Bank und versuche, die Zahlung zu stoppen. Bei einer Überweisung ist das zeitlich sehr begrenzt, oft nur wenige Stunden. Bei Kreditkarte oder PayPal hast du bessere Chancen, den Betrag zurückzufordern.

Erstatte Anzeige bei der Polizei. Das geht in den meisten Bundesländern auch online über die jeweilige Onlinewache. Sichere vorher alle Belege: Bestellbestätigung, E-Mails, Screenshots der Website.

Melde den Shop bei der Verbraucherzentrale. Die betreiben einen eigenen Fakeshop-Finder mit einer Datenbank bekannter betrügerischer Shops. Deine Meldung hilft, andere zu schützen.

Kein Tool ersetzt den eigenen Blick

Ob Fakeshop-Finder, Browser-Erweiterung oder technischer Website-Check: Tools können helfen, bestimmte Merkmale zu erkennen. Aber kein Tool kann dir sagen, ob die Preise realistisch sind, ob die Firma hinter dem Impressum wirklich existiert oder ob die Bewertungen echt sind.

Der beste Schutz bleibt, kurz innezuhalten und die Seite mit den Punkten aus diesem Artikel abzugleichen. Wenn mehr als ein Warnsignal zutrifft, lass die Finger davon.

Checkliste: Schnell-Check vor dem Kauf

  • URL genau angeschaut? Keine Tippfehler, keine merkwürdige Endung?
  • Preis mit anderen Shops verglichen? Kein unrealistischer Rabatt?
  • Mehrere Zahlungsarten verfügbar? Nicht nur Vorkasse?
  • Impressum vorhanden? Name, Adresse, Kontaktmöglichkeit?
  • AGB und Widerrufsbelehrung vorhanden?
  • Datenschutzerklärung vorhanden?
  • Gütesiegel angeklickt? Führt es zur echten Zertifizierung?
  • Texte gelesen? Kein holpriges Deutsch oder offensichtliche Übersetzungsfehler?
  • Bewertungen geprüft? Auf mehreren Plattformen, nicht nur auf der Seite selbst?

Wenn du bei mehr als zwei Punkten unsicher bist: lieber woanders bestellen.

Torge Jörrens

Torge Jörrens

Ich unterstütze Unternehmen und Agenturen in allen Bereichen rund um Websites, von der technischen Basis bis zur Sichtbarkeit. Wenn du eine zuverlässige Ansprechperson suchst, die deine Website sauber betreut und dafür sorgt, dass sie gefunden wird, melde dich gern bei mir.

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